Kulturell-mediale Bildung

Das IKMW entwickelt Kreativ-Formate und Projekte an der Schnittstelle von kulturell-medialer Bildung, Deutsch als Fremdsprache sowie Jugendaustausch und Integration. Über die bereits vielfach in nationalen und internationalen Projekten durchgeführten (analogen) Formate – wie dem DaF-Dokutheater und DaF-Tanztheater – hinaus, realisieren wir zielgruppenspezifische, ‚maßgefertigte‘ Projekte im Bereich des hybriden und digitalen Lernens.

Ein inhaltlich breit gefächertes Netzwerk aus Kulturmanagern, Kunst- und Medienschaffenden sowie Lehrkräften erarbeitet didaktische Materialien, Workshops für Lehrerinnen und Lehrer, Studierende, Schülerinnen und Schüler. Sie werden in Kooperation mit Partnerorganisationen (z.B. Goethe Institute , Stiftung Mercator, DTJB, PASCH) sowie schulischen und universitären Bildungseinrichtungen im In- und Ausland umgesetzt. Die wissenschaftliche Evaluation ist optional Bestandteil unserer Projekte.

„Zurück in die Gegenwart“ – Kosovo-Projekt 2021

Eine DaF-Dokutheater-Aufführung  und neue Beiträge für die VR-Ausstellung

Die Schülerinnen und Schüler aus der PASCH-Schule Millenium i Treti (MIT) in Pristina, Kosovo, wurden mit vielfältigen Kreativ-Aufgaben auf eine ‘phantastische’ Zeitreise aus dem Jahr 2220 geschickt. Dabei sammelten sie Impressionen und Materialien, die für Menschen in 200 Jahren vermutlich genauso merkwürdig sein werden wie für uns heute der Anblick einer Draisine. Am Ende der ersten Phase des Projekts mit mehreren Workshops, die Pandemie bedingt ausschließlich online stattfanden, stand eine 360-Grad-VR-Ausstellung, in der die Beiträge in Länder- und Themenräumen online zu besichtigen sind.

Von Beginn an bestand der Wunsch aller Beteiligten – Goethe Institut, Referenten, Lehrerinnen Lehrer, Schülerinnen und  Schüler – darin, das Projekt nach Ende der Covid-Krise oder bei einer besseren Infektionslage im Kosovo um eine analoge Phase zu erweitern. Vorläufer ist eine erste Projektphase im Jahr 2020. In der Fortsetzung ging es darum, die Ideen der Jugendlichen aus dem Vorjahr aufzugreifen, zu vertiefen und das Thema um neue Inhalte zu erweitern. In vielen Beiträgen, die in den Räumen des Online- Museums ausgestellt sind, hatten die Jugendlichen 2020 die Herausforderungen unserer Zeit und mögliche Veränderungen thematisiert. Ausgehend von diesen Materialien, galt es, in den Workshops vor Ort gemeinsam mit Stephan Reischl und Matthias Baumann ein Theaterstück zu entwickeln und auf die Bühne zu bringen. Das in mehreren internationalen Projekten (auch mit Schülerinnen und Schülern des MIT im Kosovo bereits erfolgreich umgesetzte Format ‘DaF-Dokutheater’ liefert eine Fülle an sprachlichen und motivierenden Impulsen und ist eine ideale Grundlage, um auch die medialen Beiträge der Schülerinnen und Schüler in die Aufführung einzubauen.

Die Abschlussperformance am ODA-Theater in Pristina wurde aufgezeichnet und ist nunmehr in Ausschnitten ebenso wie die entstandenen Beiträge in den Räumen des VR-Museum zu besichtigen.

Zeitraum: November – Dezember 2021

Verantwortlich: Stephan Reischl (Projektleitung/Theater), Matthias Baumann (Multimedia)

 

„Sophie Scholl – Geschichte(n) der Zivilcourage“

Ein Sprachprojekt mit Mitteln der kultur-medialen Förderung im digitalen Raum

Kulturell-mediale Bildung in Zeiten der Pandemie bedeutet sowohl Herausforderung als auch Chance. Dies gilt vor allem für kulturell-mediale Bildungsprojekte im internationalen Kontext. „Sophie Scholl – Geschichte(n) der Zivilcourage“, das von Stephan Reischl gemeinsam mit Dagmar Boeck-Siebenhaar, dem Community Dance-Choreographen Josef Eder und dem Medienpädagogen Matthias Baumann im Auftrag des Goethe Instituts Athen und mit Unterstützung der „Stiftung Weiße Rose e.V.“ durchgeführte Kreativ-Projekt zur sprachlichen und kulturell-medialen Bildung, veranschaulicht diese sehr spezifische „Gewinn-und-Verlust“-Rechnung exemplarisch. Was als physisch-analoges Sprachcamp mit Jugendlichen aus zehn Ländern der Region Südosteuropa geplant war, musste coronabedingt in eine hybride Form transformiert werden. Das bot aber gleichzeitig die Möglichkeit, neue Wege zu beschreiten und ein einzigartiges mehrmonatiges digitales Pilotprojekt zu entwickeln, das auch für zukünftige internationale Projekte und Workshops beispielhaft sein dürfte.

Das IKMW-Team erarbeitete umfangreiche didaktische Materialien zur Projektpatin und zum Thema „Sozialengagement“ sowie Online-Workshop-Formate für die Lehrer/innen und Schüler/innen.

Konkret mussten die beiden zentralen Kreativformate D(eutsch) a(ls) F(remdsprache)-Dokutheater und DaF-Tanztheater im digitalen Raum verwirklicht werden. Es galt fortan, den digitalen Raum der Online-Lehre und künstlerischen Übungen mit dem realen Lebens- und Erfahrungsraum der Jugendlichen zu einem hybriden Gemeinschaftsraum zu verschmelzen.

Nach einem Kickoff, mehrtägigen Workshops mit Lehrern aus den PASCH-Schulen der Region und einer Ideen-Börse, bei denen das Thema diskutiert und die Projektmaterialien erläutert wurden, waren die Schülerinnen und Schüler zum ersten Mal gefordert: In drei Aufgaben sollten sie wichtige Orte, Vorbilder und – in einer ‘Botschaft an die Welt’ – Herausforderungen in ihrem Umfeld, ihrer Stadt oder ihrem Land in kreativer Weise vorstellen. Alle Beiträge der ‚SOE-Jung-Künstler’ wurden zum ersten Baustein der PASCH-VR-360-Grad-Ausstellung. Rund 300 Jugendliche beteiligten sich an dieser Auftakt-Phase.

In einem Wettbewerb wurden die Teilnehmer für das digitale Camp ausgewählt. Dort beschäftigten sich die Jugendlichen zunächst mit der Projektpatin, um anschließend gegenwärtige gesellschaftliche Herausforderungen zu erörtern und Zukunftsperspektiven aufzuzeigen. Originaldokumente – Briefe, Tagebucheinträge und Zitate – lieferten den Ausgangspunkt für erste künstlerisch-sprachliche Gruppenarbeiten über Ländergrenzen hinweg. Nach dem täglichen ‘Online-Tanz-Warm-Up’ war es faszinierend zu erleben, wie die PASCH-Schüler aus SOE ihre unterschiedlichen Talente in die Entwicklung der Werke für die Ausstellungsräume einbrachten: Als “Tänzer“, „Musiker“, „Schauspieler”, “Dichter”, “Filmemacher” und “Hörspielproduzenten” arbeiteten sie in Teams und nutzten dabei neben Zoom auch viele andere Online-Tools für ihren Kreativ-Austausch.

Eine „Weltpremiere“ steht zum Abschluss des Projekts: die erste VR-Ausstellung der PASCH-Geschichte. Die „Südosteuropa“-Abteilung des neu entwickelten VR-360-Grad-Museums präsentiert den Besuchern eine Fülle von “Sprach-Kunstwerken“ in verschiedenen Kreativ-Formaten. Die „Südamerika“-Abteilung ist ab Ende November 2021 online zu besichtigen.

Hybriden kulturell-medialen Bildungsformaten dieser innovativen Art wird auch in der Postpandemie-Zeit mit ihren Nachhaltigkeits- und Kostengeboten die Zukunft gehören. Das IKMW wird diesen Weg konsequent weitergehen und vor allem unter technologischen, didaktischen, inhaltlich-künstlerischen sowie wirkungsästhetischen Gesichtspunkten weiterentwickeln und -ausbauen.

Hier gibt es eine Dokumentation über das Projekt auf Youtube.