Zukunft Operngesang – wohin geht die Reise?

Keynote und Moderation bei Symposium der Bertelsmann Stiftung

Das IKMW hat die Keynote und die Moderation des Symposiums „Zukunft Operngesang – wohin geht die Reise?“ der Bertelsmann Stftung am 23. Mai 2018 in der Bertelsmann Repräsentanz in Berlin Unter den Linden übernommen.

Klaus Siebenhaar stellte den über 70 Experten aus dem Opernbetrieb im deutschsprachigen Raum erste Ergebnisse der Studie „Opernsänger mit Zukunft!“ vor, die das IKMW für die Bertelsmann Stiftung durchführt. Moderiert wurde das Symposium von Achim Müller, der die Teilnehmer nach der Keynote von Klaus Siebenhaar durch zwei Runden thematisch fokussierter Tischgespräche und eine abschließende Plenumsdiskussion führte.

Die Ergebnisse des Symposiums werden in die Publikation zu der Studie einfließen, die in der zweiten Jahreshälfte 2018 veröffentlicht wird.

Sänger mit Zukunft

Grundlagenstudie zu Arbeitsfeldern, Perspektiven und zur Ausbildungssituation von jungen klassischen Sängerinnen und Sängern in Deutschland im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

Angesichts der steigenden Zahl von Studierenden und Absolventen bei gleichzeitig tendenziell abnehmender Zahl von festen Stellen bei klassischen Arbeitgebern – den Opernhäusern, Staats- und Stadttheatern – soll eine fundierte Bestandsaufnahme die Perspektiven und Anforderungen für den Gesangsnachwuchs ermitteln: Welche Arbeitswirklichkeit erwartet den Gesangsnachwuchs? Haben Studierende und Berufseinsteiger die notwendigen Voraussetzungen aus Talent, Charakter und Kompetenzen, um sich in dem sich wandelnden Feld zu behaupten? Sind die bestehenden Ausbildungswege geeignet, um den Nachwuchs auf die beruflichen Herausforderungen vorzubereiten?

Mit der Studie, die im Sommer 2018 abgeschlossen wird, will die Bertelsmann Stiftung gemeinsam mit dem IKMW sehr konkrete Empfehlungen dafür geben, dass Sängerinnen und Sänger realitätsgerechter ausgebildet werden.

Studie zu Bekanntheit und Besuch der Semperoper bei überregional mobilem Opernpublikum

Innovatives Forschungsdesign zur Untersuchung des Verhaltens und der Motiven der engagiertesten Opernbesucher

Nach der Besucherbefragung, einer Bevölkerungsbefragung und einer Nichtbesucherstudie führt das Zentrum für Audience Development nun eine vierte Studie für die Semperoper Dresden durch. Das international renommierte Haus will ermitteln, wie hoch der Anteil des deutschen Opernpublikums ist, der auch über den eigenen Wohnsitz hinaus Opern besucht, und davon die Semperoper frequentiert. Zudem soll untersucht werden, was Menschen dazu motiviert, auch über ihre „Opernheimat“ hinaus Opernvorstellungen zu besuchen, was sie von solchen Unternehmen abhält und mit welchen Angeboten man sie „in Bewegung bringen“ könnte – natürlich insbesondere bezogen auf die Semperoper.

In einer in dieser Form in Deutschland neuen Studie wird das Zentrum für Audience Development dafür von November 2017 bis Februar 2018 Besucher von sechs herausragenden Opernhäusern in Deutschland zu ihren Besuchsmustern und Besuchsmotiven befragen. Dabei werden nicht nur Hinweise für die Besuchergewinnung bezogen auf ein einzelnes Haus gewonnen, sondern auch Erkenntnisse von Verhalten und Motivation des aktivsten Kerns des deutschen Opernpublikums.

Evaluation des Education-Projektes des Brandenburgischen Staatsorchesters

Längsschnittstudie zur Wirkung eines Leuchtturmprojektes der musikalischen Bildung

Gemeinsam mit jährlich über 300 Schülern aus der Region um Frankfurt (Oder), darunter auch Schüler aus Polen, erarbeiten das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt und ein professionelles Produktionsteam vollwertige Produktionen, die von den Kindern und Jugendlichen auf großer Bühne präsentiert werden.

Seit dem Beginn der Förderung des Education-Projekts durch die Drosos Stiftung im Jahr 2013 evaluiert das Zentrum für Audience Development (ZAD) die Wirkungen dieses Leuchtturmprojektes. Es ist eine der wenigen Langzeitstudien im Bereich der kulturellen Bildung im deutschsprachigen Raum.

Die Evaluation des ZAD untersucht in einem Zeitraum von sechs Jahren die kurz- und langfristigen Wirkungen des Projektes – bei den jugendlichen Teilnehmern, in ihrem sozialen Umfeld und an den beteiligten Schulen. Nachdem die bisherigen Forschungen nach jeder Spielzeit über Einzelberichte in die Optimierung des Programms eingeflossen sind, werden alle Ergebnisse in der aktuellen Spielzeit 2017/18 zu einer grundlegenden Längsschnittstudie zusammengeführt.

Publikumsstudie für das Oldenburgische Staatstheater

Kompetenzzentrum des IKMW unterstützt in Niedersachsen erneut ein Staatstheater bei der Weiterentwicklung von Publikum und öffentlicher Wahrnehmung.

Am 7. März 2017 startete mit den ersten Besucherbefragungen bei dem Benefizkonzert des Luftwaffenmusikkorps und bei der Houellebecq-Adaptation „Unterwerfung“ die Publikumsstudie des Zentrums für Audience Development (ZAD) für das Oldenburgische Staatstheater.

Die Dialogbereitschaft des Theaterhauses mit einer breiten Öffentlichkeit aus der Stadt und der Region spiegelt sich in dem Design der Studie wider: Im Sommer 2017 wird die Besucherbefragung in den Spielstätten des Staatstheaters um eine repräsentative Telefonbefragung der Bevölkerung Oldenburgs und der umliegenden Ortschaften ergänzt. So werden auch diejenigen in die Studie einbezogen, die das Staatstheater derzeit nicht oder nur selten besuchen.

Aufbauend auf den Forschungsergebnissen wird das ZAD das Oldenburgische Staatstheater bei der Entwicklung von Maßnahmen für Publikumsbindung und Publikumsneugewinnung beraten.

„European Theatre and the Public“

Querschnittsstudie zur Beziehung zwischen Theaterhäusern in Europa und deren Publika

 

Das Zentrum für Audience Development (ZAD) hat im Rahmen von Theatron, einem durch die Europäische Union geförderten Theaternetzwerk, Studien in neun Theatern in sechs europäischen Ländern durchgeführt. Die Forschungsergebnisse sind in der Querschnittsstudie „European Theatre and the Public“ von Klaus Siebenhaar und Achim Müller veröffentlicht.

Ausgehend von einer Betrachtung der Entwicklung kultureller Öffentlichkeit und Kommunikation seit dem 15. Jahrhundert, werden Strukturen, Motive, Informationsverhalten und Bewertungsmuster bestehender Publika dargestellt. Ergänzt um Erkenntnisse aus Nichtbesucher- und Bevölkerungsstudien ergibt sich das Bild eines Verhältnisses von Theater und Publikum, dass zutiefst vom Wechselspiel zwischen künstlerischem Profil und den ausdifferenzierten ästhetischen wie inhaltlichen Präferenzen der Einzelnen bestimmt wird.

Herausforderungen und Grenzen bestehen also fundamental darin, für unterschiedlichste soziale Milieus überzeugende Angebote zu entwickeln – ein Plädoyer für die Parallelität von Räumen der Beharrung und Pflege klassischer Formen der darstellenden Künste und Räumen innovativer künstlerischer Allianzen zwischen formalen Künsten, Avantgarde und profaner Kreativität.

California Dreamin’, California Thinkin’.

Artikel von Klaus Siebenhaar zu Ideologie und Ästhetik des Silicon Valley

Im „Werkheft 01“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (2016) zum Thema Digitalisierung der Arbeitswelt setzt sich Klaus Siebenhaar mit den Wurzeln des ästhetischen Kapitalismus im Silicon Valley auseinander. Er zeigt auf, dass im „kalifornischen Denken“ die esoterische Hippie-Kultur eine Symbiose mit einer weltumfassenden Technologiegläubigkeit eingegangen ist. Freiheit und Selbstverwirklichung sind hier nicht mit materiellem Verzicht und Provokation verbunden, sondern mit einem technologiegetriebenen Drang nach dem Neuen, Innovativen und Erfolgreichen. Als Alternativentwurf zur geschlossenen Monokultur des Silicon Valley wird die Berliner „Maker-Kultur“ als Teil und Träger einer pluralen Stadtkultur porträtiert. Berlin träumt nicht nur anders, es denkt auch anders.

„Auftrag Publikum – oder die Alternative, die Kunst immer darstellt“

Klaus Siebenhaar zur Zukunft der Künste und Institutionen zwischen Beharrung und Innovationsdynamik

In seinem Buch „Auftrag Publikum. Der Hochkulturbetrieb zwischen Audience Development und Ereignisästhetik“ (2015) setzt sich Klaus Siebenhaar mit den Bezügen zwischen den Künsten und der gesellschaftlichen Umwelt von Kulturinstitutionen auseinander. Als
Ergebnis zeigt er in fünf „Thesen zur Zukunft des Hochkulturbetriebs“ neue, erweiterte Spiel- und Möglichkeitsräume der künstlerischen Produktion und Rezeption auf.

  1. Leben in Paradoxien: Präsenz in liquiden und vernetzten Räumen (Outreach-Strategien, Entwicklung urbaner Räume) bei gleichzeitigem Beharren auf dem Kunstanspruch (Präferenz des Ästhetischen gegenüber dem Sozialen).
  2. Diversität in den Angebotsstrategien: Repertoire oder Sammlung als werthaltige, substanzbildende Basis der Programmpolitik – ergänzt durch Blockbuster und gezielte Nischenangebote.
  3. Punktuelle Erprobung und Implementierung neuer Präsentationsformate für Konzerte, Ausstellungen, performative Künste innerhalb und außerhalb der Institution.
  4. Emergenz der Öffentlichkeiten – digiloge Kommunikationspolitik mit unterschiedlichen Codes: traditionelle Grundausstattung im Printbereich (Jahreshefte, Flyer, Broschüren) und gleichzeitig in Wort und Bild zielgruppengerichtete Digitalstrategien (zuförderst Peer-to-Peer).
  5. Organisationsentwicklung: Integration flexibler Projektorganisationen in die traditionelle Aufbau- und Ablauforganisation mit internen Teams, aber auch mit externen Partnern.