Ein Schiff wird kommen.

Interreligiöses Projekt des „Jüdischen Kulturschiffs MS Goldberg“ evaluiert

Im zweiten Halbjahr 2025 hatte das IKMW die Gelegenheit, eine außergewöhnliche Kulturinstitution bei einem ebenso besonderen Vorhaben zu begleiten: Für das „Jüdische Kulturschiff MS Goldberg“ erarbeitete das Institut für das Programm „Abrahams Familiengeschichten“ eine umfassende Evaluation mit Zukunftsszenarien und Empfehlungen.

Mit “Abrahams Familiengeschichten” verfolgte die MS Goldberg eine anspruchsvolle inhaltliche und gesellschaftliche Mission: Ausehend von ihrer Verankerung in der jüdischen Kulturszene standen neben jüdischen auch im Islam oder im Christentum verortete Künstler, Musiken, Themen auf der Bühne. Ziel war es, das Verbindende zwischen den Religionen und Kulturen für ein möglichst großes Publikum inhaltlich und emotional erfahrbar zu machen.

Der Ort selbst trägt erheblich zu dieser Mission bei. Die MS Goldberg umgibt als ehemaligen Binnenfrachter eine besondere Aura: ein Schiff ist per se ein Ort außerhalb des Alltags, trägt unterschiedlichste Personen und Kulturen mit sich. Sie ist niedrischwelliger als eine türenbewehrte Kulturinstitution und kann ihren Liegeplatz verändern, um an anderen Orten ein anderes Publikum zu erreichen. Zugleich jedoch verlangen die Liegeplatzwechsel, an jedem Ort das Publikum spezifisch anzusprochen und aufzubauen.

Wer auf die MS Goldberg kommt, ist mit den Aufführungen und der Besuchserfahrung voll und ganz zufrieden: Die Zufriedenheit der Besucherinnen und Besucher ist auf einem außerordentlich hohen Niveau. Besonders die gelungene Kombination aus Musik und Texten, die Möglichkeiten für Fragen, Diskussion und Austausch sowie der Fokus auf Alltagsgeschichten, Humor und verbindende Elemente zwischen den Religionen tragen maßgeblich zum Erfolg bei.

Gleichzeitig wurde eine Entwicklungsperspektive identifiziert: Für das bisher weniger vertretene jüngere Publikum sollten zukünftig im Sinne einer Plattformorganisation mit Partnern wie den Kunsthochschulen ein spezifische neue Produktionen und Formate entwickelt werden.

Auch in der Kommunikation zeigen sich klare Stärken und Potenziale. Derzeit kommt das Publikum in Berlin vor allem aus Spandau – dem aktuellen Liegeplatz – und den umliegenden Bezirken. Besonders wirksam sind persönliche Empfehlungen, spontanes Laufpublikum sowie der für eine junge Institution umfangreiche Newsletter-Verteiler. Zukünftig könnte eine stärkere „Plattformisierung“ der Kommunikation dazu beitragen, die Reichweite zu erhöhen: Durch die Zusammenarbeit mit Programmpartnern und Netzwerkakteuren lassen sich spezifische Zielgruppen gezielter ansprechen und neue Publikumssegmente erschließen.

Das Fazit der Evaluation fällt insgesamt sehr positiv aus: Die MS Goldberg hat die entscheidenden Weichen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung bereits gestellt. Mit ihrem klaren Profil, der besonderen Spielstätte und der Offenheit für kooperative Strukturen verfügt sie über hervorragende Voraussetzungen, ihr Publikum nachhaltig  zu erweitern. So wird sie in einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Polarisierungen noch stärker durch lebendige und positive Erfahrungen Vorurteil ab- und  Brücken zwischen Religionen und Kulturen aufbauen können.