Kulturelle Produktionen – in eigener oder kooperativer Trägerschaft – gehören bereits zur Tradition des IKMW. Vor allem im Ausstellungsbereich, aber auch interdisziplinäre Projekte im Schwerpunktbereich Kultur und Stadtentwicklung verfügt das IKMW bereits über sein Vorgängerinstitut über jahrzehntelange Expertise. Dieses Erfahrungs- und Handlungswissen kommt nun auch in internationalen Kooperationen zum Tragen.
Zu den großen Ausstellungsprojekten gehören die „Mythos dokumenta“-Ausstellung im CAFA Art Museum und Peking (2017), „Arnold Bode und seine Erben“ in der New Gallery of Art in Shanghai (2018) sowie Ausstellungs- und Konferenzprojekte im Rahmen der Reihe „Budapest x Berlin“. Aktuell wird in der Residenz der Deutschen Botschaft in Peking die in Kooperation mit der Zeppelin Universität Friedrichshafen und dem documenta-Archiv entstandene Kabinettausstellung „Joseph Beuys und die documenta“ gezeigt.
IKMW expandiert
Triple B „Berlin-Beijing-Budapest“
Kunst- und kulturbasierte urbane Projekte stehen im Zentrum des „Triple B“-Unternehmens des IKMW in Berlin mit der Central Academy of Fine Arts (CAFA) in Beijing und der Stiftung 11_11 in Budapest, das sich in Zusammenarbeit mit studentischen Gruppen und Nachwuchskulturmanagern aus den drei Metropolen Praxisprojekten an der Schnittstelle von Distriktentwicklung, Ästhetischer Bildung, Nachbarschaftsentwicklung und „dritten Orten“ widmet. Klaus Siebenhaar als Distinguished Professor der CAFA und der neu ins Leitungsteam aufgenommene Mitbegründer der ungarischen Stiftung 11_11, Daniel Ongjert, übernehmen gemeinsam mit dem „Global Forum“ der CAFA die Entwicklung und Steuerung der vielfältigen Aktivitäten zwischen Ausstellungen, Raumforschung und strukturellen Praktiken für chinesische Studenten insbesondere in Budapest.
Die Zusammenarbeit beginnt nicht bei Null: die erfolgreichen größeren wie kleineren Ausstellungsprojekte in Berlin und Budapest („Art Clinic“, „Timehouse“, „Berlin-Beijing-Boheme“) lieferten wertvolle Erfahrungen und bekräftigten den Wunsch nach kontinuierlicher Kooperation, die vor allem auch die internationale akademische Nachwuchsentwicklung in den Mittelpunkt rückt.
Verstärkung
Daniel Ongjerth übernimmt “Internationale Projekte“
Daniel Ongjerth, Mitbegründer der Stiftung 11_11 in Budapest, verstärkt mit Beginn des Jahres 2026 das Leitungsteam des IKMW. Von Budapest aus steuert er internationale Projekte mit dem Schwerpunkt kulturelle Ökosysteme und Stadtentwicklung. Aufgrund seiner langjährigen Expertise im Bereich des kunst- und kulturbasierten „Community Building“ und erfolgreicher Projektkooperationen mit dem IKMW vor und während der Pandemie ist er von sofort an für das „Triple B“-Projekt mit der Central Academy of Fine Arts (CAFA) in Peking mitverantwortlich.
Boheme auf Wanderschaft
Seminar- und Ausstellungsprojekt Berlin-Beijing-Budapest erfolgreich abgeschlossen.
Das langfristige Seminar- und Ausstellungsprojekt zur europäischen Boheme und ihre zeitgenössischen subkulturellen Transformationen hat im Sommersemester 2024 an der Freien Universität Berlin im Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften begonnen und wurde im Wintersemester 2024/25 an der Central Academy of Fine Arts (CAFA) in Peking in modifizierter Form wieder aufgegriffen.
Studentische Projektteams in Berlin und Peking haben sich jeweils nach Ende der Seminare in einer Archiv- und Feldrecherche auf die Suche nach der Boheme von heute begeben.
Daraus ist ein Katalog höchst unterschiedlicher subkultureller Formationen entstanden, die zunächst in einer „Wunderkammer“, einem „Lab“, in der Galerie Friese als“Beijing-Berlin-Boheme“ im Frühjahr 2025 präsentiert wurden. Zugleich wurde damit eine hybride kuratorische Praxis erprobt, die chinesischen Projektteams waren via Zoom zugeschaltet, während die Berliner Arbeitsgruppe die Pop-Up-Ausstellung (3 Tage) eingerichtet hat. Die Galerie Friese hat diese temporäre experimentelle „Erweiterung“ als nachhaltigen Erfolg verbucht und eine weitere Zusammenarbeit in dieser Konstellation begrüßt.
Für die Budapester „Contemporary Art Fair” wurde ein verändertes kuratorisches Konzept mit der Budpester Galerie „11_11“ realisiert, das sich ganz auf die „Beijing-Boheme“ konzentrierte und das Pekinger Video-, Foto- und Textmaterial für einen klassischen Messestand neu aufbereitete. Der vom 15. bis 19. Oktober 2025 stattgefundene Kunstmessenauftritt erwies sich beim Budapester Publikum (mit großer chinesischer Community) im Bereich der Photogalerien als Überraschungserfolg mit vielen Nachfragen und Gespräch zu Thema und Entstehungszusammenhang. Damit wurde zugleich auch „postpandemisch“ die „Achse Berlin-Beijing-Budapest“ wiederbelebt.
Made in Remscheid
Neue Gemeinschaft stiften in einem lebendigen lokalen Kultur-Ökosystem
Achim Müller gestaltet am Teo Otto Theater in Remscheid das Projekt „Made in Remscheid“ mit. Gefördert im Rahmen des Programms „Spielzeit“ (LINK!!!) arbeitet er gemeinsam mit Sven Graf, dem künstlerischen Leiter des Teo Otto Theaters, und der Öffentlichkeitsarbeit-Expertin Melanie Adriaan daran, das Gastspiel-Haus noch stärker als Mittelpunkt des städtischen Lebens in Remscheid zu verankern.
Kern des Projektes ist eine Programmlinie geformt aus Produktionen, die von lokalen Künstlern und Kulturinstitutionen geschaffen werden – so wie jüngsten die zweimal ausverkaufte orchestrale Aufführung des Kult-Musicals Jesus Christ Superstar, realisiert unter der Leitung des Kirchenmusikdirektors Christoph Spengler, gemeinsam mit den Bergischen Symphonikern, internationalen Musical-Solisten, einer dafür zusammengestellten Band und einem Chor mit über 300 Laien.
Die vielfältigen Produktionen werden unter einer übergreifenden Strategie geführt: Lokalem Kunstschöpfung durch kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit größere Reichweite, Aufmerksamkeit und Aufmerksamkeit verschaffen; in einem Ökosystem engagierter Programmpartner durch Netzwerkworkshops und Kooperationen Wir-Gefühl und Gestaltungsfreude stiften; und zu allen Made-in-Remscheid-Produktionen durch jeweils spezifische zusätzliche Veranstaltungsformate ein intensiviertes Besuchserlebnis schaffen geprägt von Nahbarkeit, Publikumsaktivierung und -partizipation.
Jüngstes erfolgreiches Beispiel war ein Gottesdienst im Teo Otto Theater, der am Sonntag nach den beiden Vorstellungen von Jesus Christ Superstar gemeinsam mit zwei Pastoren, einer Band, Video- und Audioeinspielungen von Szenen aus dem Musical ebenso wie Stimmen von Bürgern Remscheids. Angelehnt an Themen aus dem Musical wurde der Theatersaal transformiert für eine Andacht der besonderen Art.
Timehouse: Where are we NOW?
Chinesisch-deutsche Ausstellung im Löwenpalais, Berlin
Am 31, März 2023 wurde im Löwenpalais, Berlin ein gemeinsames Ausstellungsprojekt der Central Academy of Fine Arts (CAFA), Peking, der Kunstakademie Düsseldorf, der Freien Universität Berlin, des Instituts für Kultur und Medienwirtschaft (IKMW) Berlin und der Kunststiftung Starke, Berlin, eröffnet.
Für zwei Wochen verwandelt sich das Löwenpalais in ein „Zeithaus“, in dem sich ein studentisches „Curatorial Team“ der Central Adademy of Fine Arts (CAFA) aus Peking auf die Suche nach seiner Gegenwart begeben hat. In fünf Themenräumen („Transition“, „Underground“, „Crisis & Survival“, „Repair and Healing“, „Dreams“) spiegeln sich in den unterschiedlichen künstlerischen Positionen und Formaten von Video über Installation, Fotos, Poster bis hin zu Objektkunst Welt-Ansichten und Lebensgefühle der viel zitierten „Generation Z“.
Eingeladen wurden 48 zumeist junge Künstlerinnen und Künstler aus China, aber auch der internationale Nachwuchs der Düsseldorfer Kunstakademie. Diese Ausstellung ist sowohl in ihrer Entstehung als auch Realisation ein Experiment der besonderen Art in post-pandemischen Zeiten – „Distance Curating“ unter akademischer Anleitung und Betreuung über 10.000 km hinweg: Teams, Künstler und ein Ort, in dem man sich nie physisch begegnet ist, in dem sich nur das Team der Düsseldorfer Kunstakademie und die Hochschullehrer analog bewegt haben.
Zum ersten Mal wird in dieser deutsch-chinesischen Produktion das gesamte Löwenpalais von der Lounge über den Keller bis zu den drei traditionellen Ausstellungsräumen hin bespielt. Zur Ausstellung wird ein Booklet erscheinen, das das „Making of“ der Ausstellung sowie die Künstlerliste enthält.
Die Ausstellung ist bis 15. April 2023 von 10 bis 17 Uhr zu sehen. Adresse: Kunststiftung Starke, Löwenpalais; Königsallee 30-32; 14193 Berlin. https://stiftungstarke.de/
Einen lebendigen Eindruck von der Eröffnung der Ausstellung gibt eine Reportage im Youtube-Kanal der in Berlin lebenden Koreanerin Moon Suk:
Damit 50% nicht „das neue Ausverkauft“ bleiben
Audience Development-Workshop für den Deutschen Bühnenverein
Angesichts von Besuchszahlen, die bei weitem noch nicht das Niveau vor der Corona-Pandemie erreicht haben, und von bereits vor der Pandemie Besorgnis erregenden Trends hat das IKMW auf Einladung des Deutsche Bühnenvereins (DBV) auf dessen Jahreshauptversammlung am Oldenburgischen Staatstheater am 10. Juni 2022 einen Workshop zum Thema „Audience Development“ durchgeführt – es war der meistbesuchte Workshop des siebenteiligen Workshop-Programms.
In einer moderierten Bestandsaufnahme sammelte und strukturierte Achim Müller die ungeschönten Erfahrungen und Kenntnissen der teilnehmenden Häuser entlang von drei Fragestellungen: „Wer kommt, wen kennen wir? Wen vermissen wir, wen wünschen wir uns? Wie und wo wollen wir sie suchen, finden, motivieren und binden?
Dem Erfahrungswissen aus den Häusern stellten Achim Müller und Klaus Siebenhaar Forschungsergebnissen über Besucherzusammensetzung, -motivation, -verhalten und -entwicklung gegenüber.
Die Befunde waren ernüchternd, wenn auch wenig überraschend: deutliche Rückgänge von Besuchen, gerade auch unter ehemaligem Stammpublikum; teils ermutigende, teils ernüchternde Erfahrungen sowohl bei der Rückgewinnung früherer Besucher als auch beim Erschließen neuer Publika – und die schon von Bourdieu in den 1960ern formulierte Erkenntnis, dass der Kern von Audience Development tatsächlich pubikumsorientierte Programmpolitik – inklusive innovativer partizipativer Formate und neuer Spielorte – verbunden mit einer adäquaten, möglichst personalisierte Kommunikation bilden.
Bei diesen eindeutigen Ergebnissen war klar: Für die Zukunft braucht es weniger zusätzliche übergeordnete Forschungsprojekte, sondern einen auf konkrete Maßnahmen ausgerichteten Recherche-, Forschungs- und Entwicklungsprozess für zugleich kunstorientiertes und evidenzbasiertes Audience Development. Das IKMW ist in Gesprächen mit dem Deutschen Bühnenverein, mit ausgewählten Theatern ein entsprechendes Projekt auf den Weg zu bringen.
Beuys wandert in China
Ausstellungen nach Guangzhou auch in Chengdu und Shanghai erfolgreich
Für drei Monate werden die beiden Dokumentarausstellungen „Joseph Beuys und die documenta“ sowie „Kosmos Beuys: About Art and Life in 20th century Avantgarde“ in Guangzhou/Kanton einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich sein. Nach der Premiere in der Residenz der Deutschen Botschaft in Peking sind beide Ausstellungen unter dem Patronat des Generalkonsulat in einem privaten Kulturzentrum zu sehen.
Am 25. Februar 2022 wurde „Joseph Beuys und die documenta“ dann in der Urbancross Gallery in Shanghai eröffnet, um nach wenigen Tagen pandemiebedingt wieder schließen zu müssen. Nach der Aufhebung des Lockdowns wurde die Ausstellung noch bis Mitte Juli in Shanghai gezeigt.
Planmäßig konnte dagegen die Ausstellung „Cosmos Beuys“ vom 2. April bis 15. Mai 2022 im XLY MoMa Museum in Chengdu einer interessierten Öffentlichkeit präsentiert werden.
Kunst heilt!
Ungarisch-chinesisch-deutsche „Art Clinic“ in Budapest eröffnet
Am Wochenende des 13./14. Mai wurde im Rahmen des Budapester „Spring Festivals“ die „First Aid-Art Clinic“ im Bartok-Distrikt (11. Bezirk) eröffnet. Das in fast fünfmonatiger Vorbereitung realisierte Kunstprojekt entstand aus einer organisatorisch-operativ und kuratorisch ungewöhnlichen Kooperation der Central Academy of Fine Arts (CAFA) Beijing, der Eleven Blokk-Kunststiftung Budapest und des IKMW Berlin. Als hybrides Format aus „Distance Curating“, digiloger Feldforschung und konkreter physischer Umsetzung in fünf Orten avancierte „Art Clinic“ zu einem erfolgreichen, vom Publikum stark frequentierten Kunstereignis und zugleich zu einem vorbildhaften und kreativen Modell internationaler Kooperationsmöglichkeiten in pandemischen Zeiten. Nach diesen ermutigenden Erfahrungen und Ergebnissen werden weitere Projekte dieser Art und in der Konstellation Budapest-Berlin-Beijing folgen.
Die insgesamt 10 Nachwuchskuratorinnen aus China und Ungarn entwickelten ausgehend von der Grundidee, dass Kunst heile, eine auf fünf Stationen festgelegte Narration: „Show Your Wound“, „Land of Demons“, „Cross the Boarder, Ferryman“, „Wonderland Cythera“ sowie „Paradise: Arcadia“. Mit ungarischen und chinesischen Künstlern wird ein Weg von der Verletzung zur finalen Heilung mit unterschiedlichen künstlerischen Formaten dargestellt und erzählt.
Zusammen nach Corona!
Zweiter Open Space-Workshop am Landestheater Tübingen
Nach einem ersten Open Space 2019 kurz vor der Corona-Pandemie hat Achim Müller am Landestheater Tübingen (LTT) am 14. April 2022 unter dem Motto „Zusammen! Das LTT nach Corona“ den zweiten Open Space mit dem gesamten Haus moderiert. Die Open Space-Workshops sind Teil der Organisationsentwicklungsstrategie des Hauses: Gemeinsam mit allen interessierten Mitarbeitern will das LTT die akuten und zukünftigen Herausforderungen bewältigen und dafür Arbeitsalltag wie künstlerisches Profil kontinuierlich weiterentwickeln.
Damit die Anliegen und Initiativen aus dem Open Space in Strategien und Maßnahmen münden, wurden die Ergebnisse und ihre Umsetzung mit einer Lenkungsgruppe mit Vertretern aus allen Bereichen des Hauses diskutiert. Erste Aktivitäten, zum Beispiel ein von Mitarbeitern organisierter Tag mit künstlerischem Programm zum Krieg in der Ukraine, wurden bereits angegangen. Und der Prozess geht weiter: Die Eckpunkte des für die nächste Spielzeit avisierten nächsten Entwicklungsworkshops wurden bereits abgesteckt.